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DO SOMETHING ELSE

28/ Rinderarbeit, Viehtrieb und eigenwillige Bullen

By 24. March 20175 Australien

Die Farm sah aus, wie aus einem Bilderbuch. Peter, der Besitzer, der so aristokratisch aussah, wie ein englischer Graf und nicht wie ein australischer Farmbesitzer, hatte mich und die andere neue Helferin, Madeleine – eine hübsche neunzehnjährige Deutsche – im Ort abgeholt. Das hundert Jahre alte weiße Holzhaus war voll mit antiken Möbeln und lag in einem Tal mit grünen Weiden, auf denen Rinder und dreißig Araber Pferde grasten. Das Haus war mit Bougainvillia zugewachsen und umgeben von Palmen und lila blühenden Jacaranda Bäemen. Es gab eine Milchkuh, Schafe, Schweine, Hühner, Gänse, Pfauen, drei Hunde, zwei Katzen, ein Känguru und Maureen, die freundliche und warmherzige Seele des Hauses, die großartig  kocht.

Neben den Rindern hatte die Familie als Einkommensquelle noch drei Gästehäuser und Gästezimmer im Haupthaus.

Wir dachten, das Ganze würde gemütlich anfangen, aber kaum waren wir begrüßt worden, teilte uns Peter mit, daß am Morgen um acht Uhr ein Vietrieb los ginge. Offenbar verließ man sich darauf, dass wir bei der Angabe unserer Reitfähigkeiten nicht gelogen hatten, denn am Morgen bekam ich einen sehr lebhaften Araber namens Mickey zugeteilt, der Peters Sohn Nigel gehörte. Die einzige Instruktion, die ich bekam war, ihn mit weicher Hand zu reiten. Das war ein wenig so, als würde man einen Porsche Carrera bekommen, mit der Anweisung den Schlüssel ins Zündschloß zu stecken.

Mit vier weiteren Helferinnen und Janet, Peters Frau, die Ähnlichkeit mit Camilla Parker Bowles hatte, zogen wir los. Ich hatte schon viele Pferde erlebt, die „Cow Sense“ hatten. Sich also für die Rinderareit begeisterten, weil sie gerne Kühe jagten. Aber noch nie ein arabisches Pferd und schon gar nicht in dem Ausmaß. Als Mickey begriff, dass wir in Richtung Kühe unterwegs waren, fing er an zu tänzeln und war so schweißgebadet vor Aufregung, dass ihm der Schaum vom Brustgeschirr tropfte, bevor wir über den ersten Hügel drüber waren und auch nur ein Rind gesehen hatten.

Wir Mädels kannten Viehtriebe nur aus Western, wo Cowboys wild um Rinder herum galoppieren. Mit der Technik, sprengten wir die erste Herde in Sekunden auseinander, so dass ein Teil in den Fluss rannte und ein anderer auf die Weide des Nachbarn.

Peter, der langsam begriff, dass wir von Rinderarbeit keinen blassen Dunst hatten, rief uns zu sich und erklärte, dass die Perde keine secsh Stunden durchhalten würden, wenn wir permanent Steilhänge rauf und runter galoppierten. Zudem sei Gelassenheit oberstes Gebot um nicht die ganze Herde in Panik zu versetzen. Danach erklärte er uns  – in etwa wie ein Fussballtrainer – unsere „Spielerposition“ und was dabei unsere Aufgabe war. Mich wies er an, einen Steilhang hinauf zu reiten und dort nach Tieren zu suchen.

“Aber komm um Gottes Willen hinter den anderen wieder runter zu reiten, wenn du welche runter treibst. Und sei da vorsichtig. Letztes Jahr brach der Hang weg und die Nachbarstochter stürzte mit ihrem Pferd ab.“

„War sie verletzt?“ fragte ich.

„Sie ist tot.“

So instruiert, versuchten wir das Chaos zu ordnen, das wir angerichtet hatten. Im Fensehen sah das so leicht aus, aber es entpuppte sich als Sisyphus Arbeit. Denn kaum hatte man ein paar Tiere zusammengetrieben, versuchte sich ein Teil wieder aus dem Staub zu machen. Es war als würde man einen Sack Flöhe hüten.

Aber nach drei Stunden und einem Sandwich im Stehen hatten wir in etwa raus, wann wir es ruhig angehen lassen mussten und wann es nötig war, hin und her zu galoppieren, um die Nachzügler abzufangen oder Tiere am Ausbrechen zu hindern.

Das Ganze war untermalt von lautstarkem Gebrüll, da keine von uns mit einer Viehpeitsche umgehen konnte. Außer Peter und Janet, die es schafften, damit Laute wie Pistolenschüsse zu erzeugen.

„Go, go, gooo.“

„Yehaaaaa“

„Move, mooove.“ So brüllte es von allen Seiten und unermüdlich, bis die Stimme nur noch ein Flüstern zustande brachte.

Mickey war in seinem Element und warf sich wie eine Katze hin und her, um Rinden den Weg abzuschneiden. Am ersten Tag machte er mindestens achtzig Prozent des Jobs und glich meine Ahnungslosigkeit aus, so gut er konnte. Ich hatte noch nie von einem Pferd gelernt aber er brachte mir an dem Tag eine Menge bei. Wir trieben die Herde von etwa zweihundert Tieren durch Bachläufe, über Straßen, Brücken und Koppeln, bis zur neuen Weide und galoppierten dabei durch steinige Flussbette, in die man in Deutschland niemals hineingeritten wäre. Und schon gar nicht galoppiert. Die Ponys hier waren definitiv aus härterem Holz geschnitzt. Mittlerweile hatte es angefangen zu regnen und wir kamen nach fünf Stunden Schwerstarbeit wieder an der Farm an. Selbst Mickey schlappte nur noch müde vor sich hin.

Am nächsten Tag wartete die nächste Herausforderung. Peter musste einzelne Jungstiere aus einer Herde „cutten“ (schneiden). Unsere Aufgabe war es, den Rest der Herde in einer Ecke des Paddocks zu halten. Das abgetrennte Tier durfte ebenfalls nicht zur Herde zurück, sondern musste in einen schmalen Durchgang getrieben werden um dort mit einer Nummer für den Verkauf markiert zu werden. Die Arbeit war bei weitem schwieriger als das Treiben, weil die Herde auf engem Raum wild durcheinander lief und versuchte auszubrechen. Reagierte man nicht blitzschnell, war das Chaos unvermeidlich. Aber Mickey schoss begeistert und unermüdlich hin und her. Danach wurden wir lsogeschickt um eine Herde mit Muttertieren und ihren Kälbern auf eine andere Koppel zu bringen. Brahman Rinder mit Jungtieren verstehen keinen Spaß. Und sie griffen an. Was nicht weiter schlimm gewesen wäre, hätten die meisten nicht lange und sehr spitze Hörner gehabt. Die Pferde wichen zwar leicht aus aber es machte den Job nicht gerade einfach. Nur Brigittes Pferd wurde von einer Kuh in den Bauch gerammt, hatte aber Glück, weil die Hörner der Kuh nach innen und unten gewachsen waren.

Und schon scheuchte uns Peter zur nächsten Weide um weitere hundertfünfzig Tiere zusammen zu treiben.

„Sind da auch Muttertiere dabei?“ fragte ich vorsichtig.

„Ja, aber die sind nett.“

Witzig.

Auf der Weide befand sich auch ein sehr großer Bulle, der deutlich größer als die Pferde war. Keiner von uns wußte, wie der Kerl reagieren würde, kamen wir ihm zu nahe. Also standen wir in respektvollem Abstand wie die Idioten um ihn herum und debattierten, was zu tun war. Beide Seiten warteten irgendwie drauf, die andere möge irgendwann einfach verenden. Nach gefühlten Stunden, bekam er entweder Mitleid oder Langeweile, stand auf und setzte sich von selbst in Bewegung.

Das Problem gelöst, folgen ihm die weiblichen Rinder zimlich entspannt. Tatsächlich sehr nette Kühe. Am folgenden Tag fuhren wir zum Viehmarkt im Ort. Peters achtzehn Stiere kamen in einen der Paddocks, die in langen Reihen die Wege säumten. Der Auktionator machte eine riesige Show aus der Versteigerung und widerholte in unglaublichem Tempo und mit singender Stimme die Gebote, bis jemand den Zuschlag bekam.

Das war der entspannte Teil des Tages, denn stressiger als Rinder zu treiben, war es Gäste zu hüten. Madeleine und ich bekamen die Aufgabe mit fünf Jungs im Alter von acht bis fünfzehn Jaren einen Ausritt zu machen. Rinder zu treiben war tatsächlich ein Dreck dagegen.

„Nehmt die Zügel kurz und lasst die Hände unten.“

Den Satz widerholte ich gefühlt dreißig mal in zwei Stunden. Mit dem Erfolg, dass trotzdem alle zehn Minuten ein Knabe mit rudernden Armen auf seinem Pferd vorbei schoß, den ich wieder einsammeln musste. Wenigstens fiel keiner runter. Danch begleiteten wir zwei japanische Familien auf ein Picknick und fütterten mit den Kindern die Tiere. Um zehn Uhr fiel ich tot ins Bett und war definitiv nicht ausreichend ausgeschlafen, für die “Mission Impossible, auf die ich mit Madeleine geschickt wurde.

Einer der riesigen Zuchtbullen hatte sein Gatter übersprungen und sich unter eine Herde mit Kühen gemischt. Wir sollten ihn aufhalten, während Janet und Peter die Herde wegtrieben. Der Teil gelang noch recht gut. Die Aufgabe, ihn dann nach oben in eine andere Koppel zu bugsieren, erwies sich als schwieriger. Anfangs latschte er freiwillig vor uns den Berg hinauf, den riesigen Schädel mit den gewaltigen Hörnern ergeben gesenkt. Bis wir zwanzig Meter vor dem Tor waren und der Koloss sich mit einer Geschwindigkeit herum warf, die ich ihm niemals zugetraut hätte und in vollem Galopp auf mich und Mickey zu preschte. Ich war vor Schreck völlig gelähmt, als die Tonne Muskelberg auf uns zu raste. Es war Mickey, der sich in letzter Sekunde zur Seite warf, so dass die Hörner ins Leere zischten. Mir klopfte das Herz bis zum Hals aber wir fingen ihn ab und trieben ihn wieder bergan. Das gleiche Spiel wiederholte sich aber dieses Mal war ich vorbereitet. Er donnerte an uns vorbei. Dieses Mal aber ohne zu stoppen und setzte mit einem gewaltigen Sprung über das Gittertor. Es gab einen lauten Schlag und das Tor sah aus, als sei es von einem Lastwagen gerammt worden. Das Metall war in einer riesigen Delle nach außen gebogen. Dahinter lief das Biest unbeschadet weiter.

„Ich stelle mich dem Drecksvieh nicht noch mal in den Weg, das ist sicher.“ meinte ich zu Madeleine und sie schüttelte ebenfalls den Kopf.

Wir erzählten Peter davon und er meinte treuherzig:

„Oh, da habt ihr aber Glück gehabt. Der kann wirklich wütend werden. Letztes Jahr hat er Nigel mit dem Pferd über den Stacheldrahzaun gedrückt.“

Ich fand das toll, dass er solche Informationen immer so nonchalant in die Konversation einfließen lies. Aber vermutlich waren Farmhands entbehrlich.

Nachdem wir das überstanden hatten, war auch meine Zeit auf der Farm um und ich reiste ich weiter nach Byron Bay, wo es vier Tage am Stück regnete, was nicht schön war. Aber wenigstens war ich mal die tausend Fliegen los, die auf der Farm so lästig gewesen waren, denn sie flogen einem in die Augen, Nase und Ohren und machten einen wahnsinnig. Das sollte allerdings noch viel schlimmer werden, denn ich war unterwegs zu einer Schaffarm im Outback, die Stretchs Schwester und ihrem Mann gehörte.

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