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DO SOMETHING ELSE

25/ Blamagen, Flirtversuche und Cheese Balls

By 17. March 20174 Australien

Gott sei Dank fand in den nächsten Tagen ein improvisiertes Autorennen statt, so dass ich nicht vor Langeweile umkam. Denn laufen konnte ich nach wie vor kaum und Zaumzeuge gewienert hatte ich bis zum Erbrechen.

Stretch motzte den winzigen alten Honda von Iris auf und meldete sich für das Rennen an. Ich kritzelte „Wenn ich groß bin, werde ich ein Rennauto“ in den Dreck auf die Heckscheibe. Ich hatte nicht gedacht, dass in diese Einöde so viele Fahrer kommen würden, aber am Tag des Rennens wältzte sich eine kleine Flut Autos auf den staubigen Platz. Offenbar gab es hier draußen auch nicht viel andere Abwechslung, als an Autos herum zu schrauben. Dass ich die einizige hübsche Frau im Umkreis war, die auch noch schwer verletzt war, bescherte mir jede Menge Aufmerksamkeit. Ich bekam den Stuhl zurecht gerückt, Bier gebracht, Steak serviert und der ein oder andere setzte sich neben mich um ein Schwätzchen zu halten. So schlecht fand ich mein Schicksal plötzlich nicht mehr. Jedenfalls bis das Rennen startete. Mit brüllenden Motoren schossen die Autos los und wirbelten auf dem knochentrockenen Platz meterhohe Staubfontänen auf. Die Autos waren kaum noch zu sehen, nur das Röhren der hochgezüchteten Motoren war zu hören. Die Zuschauer flüchteten vor dem Dreck unter die Bäume. Da trug ich einmal eine schöne Bluse und sah schon wieder aus wie ein Schwein. Klasse.

Die anderen Fahrer hatten den Honda als Affront betrachtet. Allerdings lies Stretch  einige von Ihnen im Staub zurück, was sie nur schwer verkrafteten. Völlig verdreckt, aber strahlend wie ein kleiner Junge, faltete er seine riesige Gestalt wieder aus dem Auto heraus und lies sich von Irenes Enkeln feiern. Mir ging jedes mal das Herz auf, wenn ich sah, wie rührend sich der alte Brummbär um die Kinder kümmerte. Mit mir hatte er allerdings am Abend einen Disput, da ich unbedingt selbst einen Holzblock vom Anhänger wuchten wollte und er meinte ich solle das bleiben lassen. Immerhin sei ich schon genug außer Gefecht gesetzt.

„Und wer ist Schuld daran und hat mich auf das bekloppte Vieh gesetzt?“ raunzte ich ihn an.

„Du selbst, ich habe dir gesagt, dass du die Zügel kurz halten sollst,“ bellte er zurück.

Ich holte Luft.

„Wiedersprich mir nicht Weib. Du weißt, dass ich Recht habe.“

Unglücklicherweise hatte er das und so hielt ich die Klappe.

„Nicht zu fassen, sie hält mal den Mund,“ murmelte er vor sich hin.

„Als ob ich ständig widersprechen würde,“ widersprach ich.

Er warf die Hände in die Luft, rollte die Augen gen Himmel, stapfte zur Tür und raunzte die beiden Hündinnen an, die mit eingekniffenem Schwanz in eine Ecke flüchteten. Ich hörte noch etwas von „Bar“ und „Weiberladen“, bevor die Tür hinter ihm zuschlug.

„Was ist denn los?“ fragte Iris, die aus der Küche kam.

„Gibt´s so was wie Männerperiode?“ fragte ich böse grinsend zurück und erzählte ihr was los gewesen war.

Sie lachte. „Wir geben ihm eine halbe Stunde, dann hat er sich beruhigt und wir folgen ihm zur Bar. Heute wird da einiges los sein. Die Fahrer sind da und die Cowboys bekommen Freitags ihren Lohn ausgezahlt und setzen einen Großteil davon gleich in Bier um. Ich hoffe du kannst Billiard spielen. Und zieh dir was Hübsches an.“ zwinkerte sie mir zu.

Kurz bevor wir los gingen, nahm sie mich noch zur Seite.

„Ein guter Rat was australische Männer angeht. Das sind auf den ersten Blick zimliche Machos aber sie sind bei einer schönen Frau schnell handzahm.
Wenn Du ihnen nicht die Eier abschneidest.“

Ich schaute offenbar begriffstutzig.

„Die Kerle hier haben, was Frauen angeht, einen erstaunlichen Beschützer Instinkt. Freu dich einfach dran und verwechsle den Teil nicht mit Machoverhalten. Hinter dem ganzen Bravado sind sie oft schüchtern und empfindlich. Die Guten jedenfalls. Mir fällt immer wieder der Unterschied zur Stadt auf. Menschen taktieren dort viel mehr. Vielleicht, weil man dichter aufeinander hockt? Die Möglichkeiten vielfältiger sind? Hier draußen ist das Leben einfacher, echter. Ich habe auch in Neuseeland außerhalb gelebt. Man ist aufeinander angewiesen. Das macht auch die Menschen gradliniger und ehrlicher. Hier weißt du schnell, woran du bist. Man hat hier keine Zeit und auch keinen Grund für Bullshit. Natürlich gibt´s hier auch Idioten aber im allgemeinen sind die Menschen hier noch so, dass ein Wort ein Wort ist und du auf einen Handschlag zählen kannst. Oder hast du schon mal gesehen, dass Stretch Kaufverträge macht wenn er Pferde kauft? Vertrauen ist hier draußen wichtiger als Geld. Das ist ein ungeschriebenes Gesetz.“

„Dann passe ich hier rein,“ grinste ich. „Die Gradlinigkeit und der Beschützer Instinkt sind mir auch schon aufgefallen“ sagte ich und dachte an Daniel zurück. „Gefällt mir sehr. Ich bin das von Zuhause nur nicht so gewohnt. Da läuft die Emanzipation etwas aus dem Ruder.“

„Das hat damit nichts zu tun. Hier draußen musst du als Frau im Prinzip alles können, was auch ein Mann kann. Aber du musst es ihnen nicht ständig unter die Nase reiben.”

Point taken. An das was sie gesagt hatte, sollte ich mich in ein paar Wochen oft erinnern. Im Positiven, wie Negativen. Mit frisch gewaschenen Haaren und zum ersten Mal seit Wochen in einem Kleid, zog ich in der Bar die Blicke der versammelten Männer auf mich und dachte noch: „Kein Wunder, dass die alle gucken, die haben eben lange keine attraktive Frau mehr gesehen“, als die Allüre auch schon wie eine Seifenblase zerplatzte.

„Hey“, brüllte einer der Jungs, schob den Stetson zurück und zeigte auf mich. „Bist du nicht die Blondine, die vor ein paar Tagen auf dem Highway ein paar Pferden nachgerannt ist?“

Ich lies mich mit hochrotem Kopf auf einen Barhocker gleiten und ertränkte die Blamage im ersten Bier.

„Ich bin in der Gegend gerade das Highlight an Tratsch oder?“ raunte ich Stretch zu.

„Das wirst du auch noch für Wochen sein, Sweetheart. Ich werde jetzt schon öfter gefragt wo ich immer diese verrückten Hühner aufgabele.“

Ich starrte Stretch böse über den Rand meines Bierglases an. Er grinste breit.

„Don´t get your knickers in a twist und schieb deinen Hintern zum Billiardtisch, das war nämlich gerade ein hilfloser Flirt Versuch. Die sehen hier schöne Frauen nicht so oft.“

„Ich will doch gar keinen.“

„Flirten, nicht heiraten. Du kannst weiter Angst haben, dass dir noch mal jemand das Herz demonliert oder du schmeißt dich ins Leben. Dazu bist du doch in Australien. Oder hab ich das falsch verstanden? Los jetzt.“

“Ach jetzt auch noch Hobby Philosoph?”

“Aristoteles war ein Dreck gegen mich. Schieb ab.”

Der Mann kannte Aristoteles. Vielleicht sollte ich mal meine Vorurteile fallen lassen. Ich hatte unter Iris und seinem wachsamem Auge meinen Spaß, bis mir ein großer und zimlich angetrunkener James Dean Verschnitt einen Antrag machte, der seinen „Stab“, „Bälle“ und das Wort „versenken“ beinhaltete.

Ein echter Romantiker.

Ich war bei direkter sexueller Anmache meist nicht allzu reaktionsschnell aber dieses Mal hatte ich eine Sternstunde. Ich griff in die von Gott gesandte Schale mit „cheese balls“, die neben mir auf dem Tisch stand, nahm zwei heraus und hielt sie ihm dicht vor die Augen.

Dann zerquetschte ich sie langsam in meiner Handfläche und sagte laut:

„Thats what I do with balls mate.“ Und stolzierte unter dem brüllenden Gelächter seiner Kumpel an ihm vorbei  zurück Richtung Bar. (Das Wort „balls“ hat auch die Bedeutung von „Hoden”).

Ich weiß nicht was er vor hatte, aber ich bekam aus dem Augenwinkel mit, wie sich zwei der Cowboys vor den Trunkenbold schoben und mich abschirmten. Da war er wieder, der charmante Beschützerinstinkt. Die wussten hier offensichtlich noch, was ihr Job als Kerl ist. Iris hatte Recht.

Da ich nun schon seit einer Woche durch die Gegend schlich und auch Stretch Rückenprobleme hatte, fuhren wir an Zuckerrohrplantagen vorbei für einen Tag zum Cape Tribulation und machten eine Canopy Tour im Regenwald. Am faszinierendsten fand ich die Würgefeigen, die an anderen Bäumen hoch wuchsen, bis sie selbst stabil genug waren, um alleine zu stehen und dem Wirtsbaum den Lebensfluß abzuschneiden. Sie sahen aus wie von einem anderen Planeten. Am breiten, mit Mangroven bewachsenen Strand ließen wir uns im kristallklaren Wasser treiben, bis es dunkel war. Die Warnschilder vor den Quallen waren zwar beunruhigend aber es war offiziell keine Saison. Ich hoffte dass auch die Box Jelly Fish das wussten.

Am nächsten Tag besuchten wir Freunde von Stretch und Iris mitten im Busch. Ich hätte das Haus niemals gefunden und schon gar nicht die Zufahrt dazu, die sehr versteckt lag. Der Besitzer Matt und seine Frau Francie waren nett. Sie begrüßten uns mit strahlenden Lächeln, denen ein paar Zähne fehlten, obwohl sie kaum über vierzig Jahre alt sein konnten. Matt hatte Stretch den Rücken gerettet.

Das Haus bestand aus einer Betonplatte mit Eisenpfählen, die ein Wellblechdach trugen. Darunter standen in wildem Sammelsurium  Schränke, Betten, Kartons und eine von den Hunden halb zerstörte Couch. Wir gingen um das Haus herum, wo im Schatten eine riesige Kühltruhe stand und drei weitere Freunde dabei waren, ein gigantisches Rind auseinander zu sägen und in Plastiktüten zu verpacken. Es sah aus wie eine Szene aus einem Serien Killer Film. Und von denen trieben in Australien ja einige ihr Unwesen. Es war verdammt einfach im Busch Menschen verschwinden zu lassen.

Diese herzlichen Menschen hier sahen zwar wie Hillbillys aus, waren aber wenig Angst einflößend. Das BBQ war großartig. Das Fleisch röstete über einem riesigen, selbst geschweißten Grill und die Blueheeler Hunde warteten im Schatten der Gum Trees auf einen Gelegenheit eine Portion zu klauen. Wir gingen mit einigen Kilo Rindfleisch und Familienzuwachs. Eine der Hündinnen hatte Welpen und wir nahmen „Fido“ mit nach Hause. Eine kleine gesprenkelte Hündin mit schwarzen Flecken um die Augen. Feral reagierte extrem beleidigt auf die Konkurrenz und ich war die folgenden Tage damit beschäftigt ihr angeschlagenes Ego zu päppeln, Pipi aufzuwischen und Schuhe zu retten.

Zwei der Stock Horses, die Stretch gekauft hatte, waren zu lebhaft für Touristen – ja, auch das Mistvieh, das mich fast ins Jenseits befördert hatte – daher brachten wir sie zur „Hurricane“ Station, an die Stretch sie mit Gewinn verkauft hatte. Nach fast drei Stunden Fahrt auf holprigen Offroad Wegen, kamen wir an. Ich hatte ein großes Haus erwartet, denn immerhin war die Station 300 Quadratmeilen groß und beherbergte fünftausend Rinder. Sie bestand aber nur aus einer „Shed“ für Geräte, einem normalen Wohnhaus mit Blechdach und einer Hütte für die angeheuerten Cowboys.

„Das Land ist in sechs Teile aufgeteilt. Zweimal im Jahr ist „Mustering“. Die Herden werden dann zu Paddocks am Haus getrieben. Junge Bullen werden kastriert, Kälber bekommen Brandzeichen und alle bekommen ein Ungeziefer Bad verpasst. Tiere die verkauft werden sollen, werden aussortiert und junge Rinder kommen auf ein Stück Land in der Nähe des Hauses um sie an Menschen und Pferde zugewöhnen. Das Ganze dauert etwa einen Monat und findet im Mai und um den November herum statt. Ansonsten werden neue Zäune gebaut, repariert oder neue Stock Horses trainiert.“ erklärte mir Stretch.

“Arbeiten sie auch mit Hubschraubern?” fragte ich.

“Ja, auf den größeren Stations weiter draußen überwiegend. Viele der Tiere dort haben noch nie Menschen gesehen. Und zweieinhalb Tonnen schwere Brahman Bullen sind extrem gefährlich. Meinem besten Pferd hat einer mal mit dem Horn die Brust quer aufgeschlitzt. Du kannst dir nicht vorstellen wie das aussah. Statt ihn direkt zu erschießen, pumpten wir ihn voll mit Antibiotika, vernähten die Wunde und sperrten ihnfür ein paar Wochen zwischen Gitter, so dass er sich nicht rühren konnte. Muss eine beschissenen Zeit gewesen sein aber er hat überlebt.”

Ich machte Fotos von den Männern, wie sie über dem Zaun lehnten. Eins mit sich und der Welt. Und plötzlich hatte ich die Eingebung, dass ich wieder malen wollte. Zumindest mit zeichnen wollte ich wieder anfangen.

Als es mir einigermaßen besser ging, brachten wir das Wildpferd, das Iris Enkelin „Spirit“ getauft hatte, in den Roundpen und ich frischte meine Kenntnisse im „Natural Horsemanship“ auf. Und lernte eine Menge dazu. Die Stute rannte anfangs panisch im Kreis. Was wir aber erreichen wollten, war, dass sie uns vertraute. Pferde sind Fluchttiere. Also wichen wir, sobald sie ein Ohr in unsere Richtung bewegte, vor ihr zurück. Man merkte deutlich, wie irritiert sie war. Die Jäger zogen sich vor ihr zurück.  Das war neu für sie.

Ihr panisches Gerenne wurde mit der Zeit und unserem widerholten Zurückweichen langsamer, bis sie stehen blieb. Der ganze Körper bebte aber sie wandte uns den Kopf zu. Bis sie wieder zu rennen begann. Das Spiel wiederholte sich noch oft, bis sie verstand und langsam näher kam, wenn wir zurück traten.  Es dauerte eine Weile, bis ich zum ersten Mal ihre Nase berühren konnte. Sie schnaubte mir laut in die Handfläche, als sie meinen Geruch aufnahm.

„Du brauchst keine Angst zu haben mein Mädchen, wir tun dir nichts,“ flüsterte ich ihr zu. Aufgeschreckt vom Klang meiner Stimme schoß sie aber schon wieder davon. Über die nächsten Tage wurde sie jedoch so ruhig, dass wir ihr mit einem Halfter, das Stretch an einen Stock gebunden hatte, näher kommen konnten. Sie gewöhnte sich soweit daran, dass sie es sich anlegen lies.

Damit sie sich nicht verletzte, band Stretch einen Gummischlauch zwischen den Zaun und den Strick, der nachgab, als sie sich beim ersten Anbindeversuch dagegen warf.  Als nächstes probierten wir das Ganze vor dem Pferdehänger und setzten uns geduldig daneben. Stretch zündete sich die erste Zigarette an.

„Wenn sie sich jetzt weh tut, hat es nichts mit uns zu tun.“ sagte er. „Sie kann ja einfach aufhören zu zerren und der Druck lässt nach. Ihre Entscheidung. Dann ist es auch relativ problemlos, sie rein zu führen. Sie bekommt abseits vom Hänger Stress und davor und darin Ruhe. Pferde entscheiden sich immer für Ruhe.”

Nach einer Weile konnten wir die Beine berühren, die Hufe anheben und ihr eine Decke auf den Rücken legen. Ich bewunderte die ruhige Geduld, mit der dieser Riese von Mann mit den Tieren umging. Er war nie hektisch, zornig oder unfreundlich. Er wusste genau wann es Zeit war nachzugeben und wann er den Druck halten musste.

„Es gibt Pferdetrainer auf der Welt, die behaupten „Horsemanship“ erfunden zu haben. Das ist totaler Quatsch. Das Wissen, wie man Pferde zähmt, ist mindestens 5000 Jahre alt. Es gab allerdings auch schon immer welche, die glaubten man müsse Pferde „brechen“. Aber so bekommst du nie ein mutiges und zuverlässiges Pferd. Mit Vertrauen zu arbeiten ist besser.“

Ich liebte die Arbeit mit dem gelehrigen Tier und war froh, dass ich meinen Aufenthalt noch eine Weile verlängert hatte. Ich fühlte mich Zuhause. Und da wurde mir klar, dass es das war, was ich eigentlich suchte. Ein Zuhause. Ich suchte keine ständige Freiheit. Ich suchte einen Ort, an dem meine Seele Ruhe finden würde. Aber wo würde der sein? Ich hatte keine Ahnung. War das überhaupt ein Ort? War das ein Mensch? War das hier in Australien oder in Deutschland? Mir tat die Stute plötzlich leid. Sie war aus ihrer Herde heraus gerissen worden. Aus dem Leben, das sie kannte. Ich war freiwillig gegangen. Und wohin war ich unterwegs?

„Wir müssen sie daran gewöhnen einen Reiter zu tragen. Den Sattel kennt sie jetzt und Gewicht auf dem Rücken auch.“ sagte Stretch ein paar Tage später.

„Ich habe immer noch Schmerzen und nicht genug Kraft in dem Bein, um notfalls die Kontrolle zu behalten. Ich schaffe das nicht,“ gab ich unumwunden zu.

„Zieh deinen Badenazug an. Wir gehen zum Fluß runter und stellen sie rein, bis nur noch der Hals aus dem Wasser schaut. Dann kannst du auf ihren Rücken gleiten und notfalls wieder runter. Buckeln kann sie nicht. Dafür müsste sie tauchen,“ grinste er.

Ein Reiter sitzt genau dort, wo ein Raubtier ein Pferd anfallen würde. Das ist für Fluchttiere beängstigend. Es funktionierte aber besser als erwartet. Spirit blähte beunruhigt die Nüstern, schnaubte, verdrehte die Augen nach hinten zu mir aber duldete kurz, dass ich auf ihren Rücken rutschte. Dann pflügte sie durch das Wasser um von mir weg zu kommen. Aber mit der Zeit betrachtete sie es wohl eher als ungefährliches Spiel und ließ zu, dass ich auf ihr herum turnte, ohne dass ihr die Augen aus den Höhlen traten.

Wir mussten das Einreiten unterbrechen, denn Gäste hatten sich für einen Ritt angemeldet, der nach zwei Tagen im Desaster endete. Einer der Reiter streifte einen Gympie Busch, der feine Widerhaken hat, die Gift in die Haut spritzen. Es war nicht viel, aber genug um ihn außer Gefecht zu setzen. Wäre er komplett hinein gerannt, hätte das tödliche enden können, da das Gift das Nervensystem lahm legt und somit auch die Atmung.  Ein Pferd wurde wenig später von einer Wespe gestochen und warf die Reiterin ab. Wir mussten den Ritt endgültig abbrechen. Durch die langen Tage im Sattel und die Arbeit hatte sich der Zustand meines Beines wieder verschlechtert. Es war nicht daran zu denken, dass ich Spirit weiter einritt. Außerdem war meine Zeit in zwei Tagen um.

Es fiel mir unheimlich schwer zu gehen. Iris, Stretch und die Tiere waren mir ans Herz gewachsen. Ich hatte hier zum ersten Mal das Gefühl gehabt, wieder zur Ruhe zu kommen. Ich war nicht wirklich die Zigeunerin, für die ich mich immer gehalten hatte. Ich brauchte liebe Menschen um mich. Ich mochte es ab und zu wieder zu wissen, was am nächsten Morgen auf mich wartetet. Vielleicht würde ich doch irgendwann ein Zuhause finden, von dem aus ich ab und zu in die Welt ziehen konnte um meinen Freiheit zu genießen. Aber totale Freiheit, merkte ich, war nichts für meinen inneren Hippie.

Ich packte meinen Rucksack und die beiden brachten mich in die Stadt. Ich umarmte Iris und dankte ihr. Dann setze ich zu einer rührseeligen Rede an, die Stretch mit einem warmherzigen „Ooohhhhhh fuck off“ kommentierte, nachdem er mich in eine Bärenumarmung gezogen und mir mit seiner Pranke mehrmals auf den Rücken gehauen hatte.

Dann saß ich wieder im Bus und fuhr neuen Abenteuern entgegen, die nicht lange auf sich warten ließen …

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